Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 29, Heft 5 (2000)

Bildungssysteme, soziale Ungleichheit und subjektive Schichteinstufung. Die institutionelle Basis von Individualisierungsprozessen im internationalen Vergleich

Martin Groß

Zusammenfassung: Der Beitrag befasst sich mit dem Einfluss von Bildungssystemen auf die Kollektivierung beziehungsweise Individualisierung sozialen Handelns. Die zentrale These lautet, dass in Gesellschaften mit standardisierten, stratifizierten und differenzierten Bildungssystemen intragenerationale Mobilität durch credentialistische Allokationsprozesse eingeschränkt wird, so dass strukturell privilegierte (beziehungsweise benachteiligte), homogene und stabile soziale Klassen entstehen können. Diese suchen ihre Interessen durch kollektives soziales Handeln zu verwirklichen. In Gesellschaften mit unstandardisierten, unstratifizierten und undifferenzierten Bildungssystemen hingegen machen instabile und heterogene soziale Lagen die Entstehung kollektiven sozialen Handelns unwahrscheinlich. Die These wird durch einen internationalen Vergleich der Strukturierung der subjektiven Schichteinstufung anhand von Daten des International Social Justice Project (1991,1996) geprüft. Es zeigt sich, dass erwartungsgemäß die subjektive Wahrnehmung sozialer Ungleichheit in credentialistischen Ländern stärker durch Bildungstitel und Klassenlage strukturiert wird als in nicht credentialistischen. Trotz aller sonst stark betonten Individualisierungstendenzen ist besonders in der Bundesrepublik Deutschland eine ausgeprägte Strukturierung der subjektiven Schichteinstufung festzustellen.

Schlagworte: Soziale Ungleichheit; Bildung; Soziale Klasse; Intragenerationale Mobilität; Individualisierung; Subjektive Schichteinstufung; International Social Justice Project