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ZfS, Jg. 29, Heft 4 (2000)

Der avancierende Fremde. Zur Genese von Unsicherheitserfahrungen und Konflikten in einem ethnisch polarisierten und sozialräumlich benachteiligten Stadtteil

Jörg Hüttermann

Zusammenfassung: Der vorliegende Artikel thematisiert Verlauf und Folgen der partiellen Überwindung ethnischer Unterschichtung durch avancierende Fremde. Dabei bedient er sich der von Elias und Scotson entwickelten Figurationsanalyse. Avancierende Fremde werden für Autochthone zum Problem und aus soziologischer Perspektive zu einem sozialen Tatbestand, weil sie die im alltäglichen Handlungserleben selbstverständlich vorausgesetzten Statusgrenzen überwinden und somit identitätsaffirmative Rangordnungen in Frage stellen. Der Artikel entfaltet dieses Argument im Lichte des Fallbeispiels einer sich umkehrenden deutsch-türkischen Etablierten-Außenseiter-Figuration in Duisburg-Marxloh. Er zeigt unter Rekurs auf quantitative und qualitative Daten, daß aus der sich konflikthaft verändernden Machtbalance im Stadtteil Unsicherheitserfahrungen erwachsen. Um die Akteure dieser Veränderung zu bestimmen, fächert er das Konzept des avancierenden Fremden in zwei Typen bzw. zwei "Politik[en] der Lebensstile" auf. So durchbricht der Parvenü des Wohnumfeldes die eingelebten räumlichen Statusgrenzen im Rahmen konformer Erfolgs- und Karrieremuster, während der Paria des Wohnumfeldes das ancien régime verräumlichter Rangordnungsgrenzen durch deviante Raumaneignung und physische Machtentfaltung transzendiert. Zwar unterscheiden Paria und Parvenü des Wohnumfeldes sich in der Form der Raumaneignung, aber ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie die Machtbalance im Stadtteil verändern. Der Artikel schließt mit Anmerkungen zu einer Figurationsanalyse, die nicht stationäre Machtbalancen, sondern vor allem sich wandelnde Figurationen untersucht.

Schlagworte: Soziologie des Fremden; Raumsoziologie; Raumaneignung; Migranten; Konflikt; Raum; Avancierende Fremde; Figurationsanalyse; Etablierte-Außenseiter-Figuration