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ZfS, Jg. 29, Heft 2 (2000)

Das Risiko der Unsicherheitsabsorption.Ein Vergleich konstruktivistischer Beobachtungsweisen des BSE-Risikos

Veronika Tacke

Zusammenfassung: In der Risikosoziologie stehen sich heute zwei Theorien gegenüber, die dem Anspruch folgen, Risiken als soziale Konstruktionen zu beschreiben und zugleich in ihrer gesellschaftlichen Konstitution zu erfassen: die Kulturtheorie und die Systemtheorie. Der Beitrag vergleicht die beiden Risikotheorien von ihrem gemeinsamen Ausgangspunkt her (Beobachterabhängigkeit) und verfolgt die Konsistenz ihrer Analysestrategien und die Folgen ihrer Beobachtungsweisen anhand empirischer Studien zum Risikofall BSE ("Rinderwahnsinn"). Die Rekonstruktion einer kulturvergleichenden BSE-Studie (Wynne / Dressel 1999) ergibt zunächst, dass die Kulturtheorie sich nicht konsequent als dem gesellschaftlichen Beobachtungszusammenhang von Risiko selbst zugehörig zu erfassen vermag und dazu tendiert, ihre Beobachtungsweise im risikopolitischen Zusammenhang zu überschätzen. Demgegenüber erweist sich die Systemtheorie konsequent darin, risikobezogene Beobachtungsverhältnisse in der modernen Gesellschaft in ihrer unabschließbaren Reflexivität und ihrer Differenzierung zu beschreiben. Eine systemtheoretische Fallstudie legt die Dynamik und die Formen dar, mit denen Organisationen im Rahmen ihrer Entscheidungsprozesse ("Unsicherheitsabsorption") zum Auf- und Abbau von Risikoproblemen wie BSE in der modernen Gesellschaft beitragen.

Schlagworte: Risikosoziologie; Organisationssoziologie; Theorievergleich; Systemtheorie; Kulturtheorie; Risiko; Organisation; Unsicherheit; Unsicherheitsabsorption; Beobachtung; BSE