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ZfS, Jg. 29, Heft 1 (2000)

Exklusion und räumliche Differenzierung

Klaus Kuhm

Zusammenfassung: Bis in die aktuelle Gegenwart wird Armut und räumliche Ausgrenzung primär als Ungleichverteilung der Bevölkerung in Bezug auf das verfügbare Einkommen und Beschäftigung beschrieben. Mit dem Auftauchen des Begriffs der Exklusion scheint sich diese Ausgangslage zugunsten einer Ausweitung der Problemwahrnehmung zu ändern. Exklusion meint immer den Vorgang eines kumulativen Ausschlusses von Personen aus einer Mehrzahl unterschiedlicher, für die Lebensführung relevanter Funktionsbereiche der Gesellschaft. Der Aufsatz rekonstruiert diesen Perspektivenwechsel anhand einer Gegenüberstellung etablierter Forschungsansätze der Armuts- und Ungleichheitsforschung. Es fällt auf, daß vor allem die soziologische Systemtheorie Anknüpfungspunkte bereithält, um eine voreilige Verengung der Problemsicht auf wirtschaftliches Geschehen zu vermeiden. Mit Blick auf den Basissachverhalt der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft ist es zudem möglich, die Beziehung von Exklusion und räumlicher Differenzierung präziser zu bestimmen. Es zeigt sich, daß sich die moderne Gesellschaft auch in Hinsicht auf Exklusion von räumlichen Mustern der Strukturbildung ablöst. Exklusion kommt heute überall in der Welt vor und ist ein strikt lokales oder regionales Phänomen, für das vor allem das Fehlen von organisationsbezogener Kommunikation kennzeichnend ist.

Schlagworte: Soziale Ungleicheit; Sozialstruktur; Armut; Inklusion; Exklusion; Raum; Räumliche Differenzierung; Segregation; Systemtheorie